Ich habe am Wochenende mal Blood West ausprobiert und bin bisher positiv überrascht. Ich hatte vor längerer Zeit eine Demo dazu angespielt und war damals eher frustriert als begeistert. Aber ich glaube, das lag einfach daran, dass die Demo das Tutorial übersprungen hat und somit gar nicht vermittelt wurde, dass es sich hier nicht um einen schnellen, actionlastigen Oldschool-Shooter à la Doom handelt, sondern Blood West im Wesentlichen eher ein Schleichspiel mit Ressourcenverwaltung ist, bei dem man sich (wie etwa bei Gothic) vorher gut überlegen muss, mit wem man sich anlegt und wie. Wenn man einfach ballernd in eine Stadt voller Gegner losstürmt, wie ich in der Demo, dann bekommt man schnell den Eindruck, dass das Spiel sauschwer ist. Aber ich denke, es war einfach der völlig falsche Ansatz. Wenn man sich vorsichtig rantastet und die Gefahren respektiert, macht es viel mehr Spaß. Vor allem der Erkundungsaspekt in der kleinen offenen Welt gefällt mir richtig gut. Und in der Demo hatte ich wahrscheinlich auch noch keinen Bogen; damit erinnert es mich schon mehr an die schleichenden Bogenschützencharaktere aus diversen Elder-Scrolls-Spielen oder HZD.
Das Einzige, was für mich noch sehr gewöhnungsbedürftig ist, sind Speicher- und Todessysteme. Es gibt kein manuelles Speichern und ich fürchte sogar keine Autosaves, außer beim Beenden des Spiels. Daher empfiehlt es sich wohl, öfter mal aus dem Spiel rauszugehen, damit man nicht nachher all seinen Fortschritt verliert, wenn das Spiel bei einer längeren Sitzung unerwartet abstürzen sollte oder es einen Stromausfall gibt oder was auch immer. Darüber hinaus respawnt man bei Tod zwar am letzten Checkpoint, aber erhält dadurch Nachteile wie Wunden (oder Verbrauch von Schutzitems gegen Wunden), sodass man danach in einer etwas schlechteren Position ist als vorher. Und man kann sich zwischendurch zwar ausruhen, um seine Gesundheit wiederherzustellen, aber das hat wie bei Dark Souls zur Folge, dass Gegner, die man schon besiegt hatte, respawnen. Dazu kommt das Ressourcenmanagement: Wenn man immer wieder an Gegnern scheitern und sterben würde, würde man im Kampf viele Ressourcen verbrauchen, die man nicht so schnell zurückbekommt. Man behält zwar seine Erfahrung, durch die man den Charakter Level für Level mit besseren Fähigkeiten ausstatten kann, trotzdem könnte es recht schnell sehr viel schwieriger werden, wenn man zu oft scheitert.
Ich spiele daher recht konservativ und zurückhaltend und versuche, Sterben und Rasten nach besten Möglichkeiten zu vermeiden, was einerseits zur Spannung beiträgt, aber andererseits auch die Experimentierfreude hemmt. Ich mache mir jetzt regelmäßig Backups von den Daten, die das Spiel unter AppData\LocalLow versteckt, um im schlimmsten Fall (gegen die Regeln des Spiels) mein letztes offizielles Savegame wiederherstellen zu können. Musste ich bisher noch nicht machen, aber das Wissen, dass ich es könnte, beruhigt mich etwas. Trotzdem merke ich noch, dass ich mich nicht allzu viel traue und neuen, stärkeren Gegner erstmal lieber aus dem Weg gehe, statt zu testen, wie ich mich gegen sie schlagen würde. Ich glaube, irgendwo habe ich auch etwas von harten Bosskämpfen gelesen; so etwas könnte mir die Freude am Spiel dann endgültig verderben. Aber bis jetzt habe ich noch Spaß am Erkunden und Meucheln von Monstrositäten im blutigen Westen.
Post edited 2 days ago by Leroux